Patrouillenfahrt im Kosovo

Friedenserhaltende und friedensunterstützende Maßnahmen werden in der Staatengemeinschaft immer wichtiger. Österreich leistet seit 1960 seinen Beitrag in über 50 internationalen Missionen. Zu den Aufgaben gehört, die Zivilbevölkerung zu schützen oder einen Waffenstillstand zu überwachen. Im Kosovo bedeutet das in der Praxis zum Beispiel: Patrouillenfahrten.

Vier Soldaten auf Einsatzfahrzeug bei Sonnenuntergang Patrouillenfahrten mit einem Pandur-Radpanzer: eine zentrale Aufgabe für die Soldatin bei einer Beobachtermission.

„Huber?“ „Hier!“ „Müller?“ „Hier!“. Standeskontrolle beim den österreichischen Kontingent im Kosovo. Die Infanteriekompanie überprüft die Vollzähligkeit der im Einsatz befindlichen Personen täglich um 0730 Uhr morgens. Der Einsatzraum "Balkan" ist seit drei Monaten die militärische Heimat der österreichischen Soldaten, in dem viele Soldaten aus aller Welt ihren Dienst versehen. „Wir Österreicher kommen mit allen Nationalitäten gut aus, aber eine besonders enge Zusammenarbeit hat sich mit der Schweiz ergeben. Ein Teil des österreichischen Bataillons besteht nämlich aus Schweizer Personal“, erzählt ein Offizier. Auf diese Kooperation angesprochen, hört man von unseren Soldaten eigentlich nur: „Die Zusammenarbeit und vor allem auch die Kameradschaft ist perfekt!“ Und auch die Schweizer Armeeangehörigen streuen dem Kontingent aus Österreich Rosen: „Die Soldaten aus eurem Land sind gut ausgebildet, belastbar, flexibel und zuverlässig – mit ihnen ist der tägliche Dienstbetrieb schon fast ein Kinderspiel“, hört man aus den Reihen der Eidgenossen.

"Zusammenarbeit ist das Schlüsselwort"

Nachdem alle vollzählig sind, erhält die Kompanie die Aufträge für diesen Tag und verlässt schon nach wenigen Minuten den Antreteplatz. Es war eine kurze Standeskontrolle – trotzdem weiß jeder genau, was zu tun ist. Alle bereiten sich selbst und ihre Ausrüstung auf den bevorstehenden Auftrag vor. Heute steht eine Patrouille in einem bestimmten Sektor des zugewiesenen Verantwortungsbereiches auf dem Dienstplan. Bei einer Patrouille nehmen die Soldaten mit der Bevölkerung Kontakt auf und sammeln Informationen.

"Den Menschen Sicherheit vermitteln"

Durch die Präsenz der Soldaten in den Dörfern soll den Menschen auch ein Gefühl der Sicherheit vermittelt werden. Die Motoren der vier „Pandur“-Radpanzer laufen bereits warm. Zusammen bilden sie den Zug, der nun ausrückt. Alles ist bereit. Der Kommandant erteilt kurz vor Beginn der Patrouille seine Befehle im Rahmen einer Befehlsausgabe. Dabei geht er auf Dinge ein, die ihm besonders wichtig sind: Verhaltensweisen, die er von seinen Soldaten in bestimmten Situationen erwartet; wichtige Einzelheiten, die der Auftrag verlangt oder ähnliches. Es bleibt nichts dem Zufall überlassen, sodass jedes Mitglied seinen Beobachtungs- und Aufgabenbereich genau kennt.

Vorgesetzte sprechen mit einer Gruppe von viele ausgerüsteten Soldaten auf einer Straße Übung: Soldaten lernen Massen zu verstehen und kontrollieren

Mit Verlassen des Camps beginnt die Patrouille. Nun gibt es kein Tratschen oder Scherzen mehr – alle sind auf ihre Aufgaben konzentriert. Man hört nur mehr den Kommandanten, der mit dem Hauptquartier funkt oder seinen Soldaten Anweisungen erteilt. Das Team bewegt sich entlang der vorher genau festgelegten Route. Am Straßenrand spielen Kinder und winken, auf den Feldern bestellen Bauern wieder ihre Äcker, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Alle paar Kilometer gibt es sogenannte Meldepunkte, bei denen Verbindung mit den Soldaten im Lagezentrum im Camp aufgenommen wird. Dort wird entschieden, was zu tun ist, sollte eine Meldung ausbleiben und die Patrouille nicht erreichbar sein.

"Durch direkten Kontakt mit der Bevölkerung kommt man zu Informationen"

Zerstörtes Haus mit Fahrzeugen davor Hausruine: Verlassene Häuser dienen den Soldaten auch als Unterkunft

Spannung liegt in der Luft: Die Kolonne nähert sich einer Ortschaft, in der es vor einigen Monaten einen Bombenanschlag gegeben hat. Alle sind voll konzentriert – nichts darf den wachsamen Augen der Soldaten entgehen falls Gefahr droht. Aber heute ist alles in Ordnung, die Ortschaft wird durchquert und der Weg fortgesetzt. Die Soldaten bleiben wachsam. Wenn das Unternehmen ohne Probleme verläuft und das Team aus dem Sektor ins Camp zurückkehrt, meldet der Kommandant das Ergebnis und teilt die gewonnenen Erkenntnisse mit den Vorgesetzten. Die Soldaten reinigen und pflegen währenddessen ihre Ausrüstung und die Fahrzeuge. So bleibt alles immer einsatzbereit für den nächsten Auftrag, der vielleicht schon morgen heran steht. Nach einem anstrengenden Tag trifft sich das Team beim Abendessen und lässt ihn danach bei gemeinsamer Freizeitbeschäftigung ausklingen.

Drei Flaggen Das Bundesheer ist seit 1999 im Kosovo stationiert und hilft beim Wiederaufbau der Region.